Die Mähr

Das Simmentaler Rind:

Ich hätte hier lieber über Charles Trenets Chanson “La mer” geschrieben, als über die Mähr der Marketingabteilungen. Zugegeben, manches funktioniert so gut, dass man den Marketingabteilungen Respekt zollen muss. Genial, aus Marketing-Sicht, wenn du stink normale Produkte, oder Produkteigenschaften als Alleinstellungsmerkmal so darstellst, dass der Kunde glaubt, etwas gaaaanz besonders Wertvolles zu erwerben, also z.B., dass ein Auto nun neuerdings auch ein Lenkrad besitzt und dass das gaaaanz toll ist. OK, andere Autos werden auch mit Lenkrädern geliefert, nur spricht da keiner drüber, jedenfalls nicht in der Werbung. Würde auch blöd aussehen, oder? Nicht so bei Lebensmitteln. Wer kennt nicht die tollen Werbungen, dass das Fleisch vom Simmentaler Rind ist? Ahh, ohh, nun essen wir etwas gaaaanz Besonderes, das ist nicht vom armen Vieh, welches in Rekordzeit in riesigen Mastschuppen hochgezüchtet wird, extrem mager ist und keinerlei Fettmarmorierungen aufweist und somit auch so unendlich schmackhaft und zart ist. Hach, nee, da war doch was, Fett, Geschmacksträger, hm, wenns so mager ist... geht das? Ja, als Billigfleisch aus Massentierhaltung für wenig Geld geht das, und zwar über die Fleischertheke, Tag für Tag, weil die armen Viecher bis zu 1,6 Kg je Tag zunehmen können/müssen, suchen sie es sich aus. Simmentaler Rind, 100% aus Deutschland. Hm, wo liegt n gleich mal das Simmental? Das Simmental liegt im Kanton Bern. Hm, das ist doch aber nicht in Deutschland? Wer in Geografie aufgepasst hat, oder google maps bedienen kann, wird schnell sehen, das liegt in der Schweiz. Hm, wie kann es dann Fleisch vom Simmentaler Rind mit 100% aus Deutschland geben?

Das ist eigentlich ganz einfach, so einfach, dass es die Werbung aufgegriffen hat, frei nach dem Motto: “Keep ist simple and stupid!”

Das Simmentaler Rind stammte ursprünglich wirklich aus dem Simmental und galt als robustes Rindvieh. Durch Züchtung und Verkauf gelangte es so in andere Länder. Oft sehen wir hier die Tiere nicht mehr, weil sie für die Mast im Stall stehen. Das Simmentaler, oder Simmentaler Rind wird umgangssprachlich auch Fleckvieh genannt. Schon mal gehört? Es gibt in Europa zwei Rassen, die sich den Kuchen teilen, das schwarz-weiße Fleckvieh, das sind unsere Milchkühe, das Fleckvieh, das sind die braun-weißen Kühe, das sind Kühe, die sich hervorragend zur Mast eignen. Millionen fach stehen sie in den Mastschuppen und auf Weiden rum. Dies sind unsere beiden häufigsten Kuharten. Also wird die normale Mastkuh als super Simmentaler Rind benannt? Ja doch.

Marketingabteilungen suggerieren uns, dass wir mit dem Simmentaler ein gesundes und wertvolles, also besonderes Stück Fleisch erwerben, dabei handelt es sich nur um die normale Mastkuh, die billig und schnell wächst und welches Fleisch wir billig ( nicht preiswert ) im Supermarkt angereicht bekommen.

Und Marketingabteilungen, die uns mit der Werbung, dass das Simmentaler etwas gaaanz Besonderes ist, hinters Licht führen, denen zolle ich Respekt. Und all den Verbrauchern, die sich da nicht mal informieren und das auch noch glauben, tja, das sag ich mal, ist mir auch passiert, bis ich mal nachgelesen habe.

Also, Augen auf beim Kuhkauf.

 

Und weils gerade so schön zur Kuh passt, auch Käse kann mal Käse sein. Der Camembert:

Die Menschen unter uns, die ein Fable für Weichkäse haben, die können mit dem Begriff Camembert schon etwas anfangen. Landläufig verspricht man sich da den cremigen Weichkäse mit weißer Rinde aus Frankreich. Ein Stück französischer Esskultur, oder?

Tja, dazu müssen wir uns mal die Geschichte anschauen, damit uns die Augen geöffnet werden. Der Geschichte nach führt uns die Spur des Weichkäses nach Frankreich, in die Normandie zum kleinen Ort Camembert. Dort hat, die Jahresangaben sind nicht  eindeutig, die Bäuerin Marie Fontain Harel diese Art des Käses entdeckt. Ob da der Unterschlupf des Abbé Charles Jean Bonvoust wirklich etwas zu beigetragen hat, als er  während der französischen Revolution bei ihr Unterschlupf fand, beigetragen hat, ist nicht wirklich überliefert. Das ist auch nicht so relevant, für unsere Story. So, die Bäuerin hat, wie eigentlich üblich, irgendwas entdeckt, was nachher gut schmeckte, den Camembert. Den Durchbruch erlangte dieser Weichkäse durch Napoleon den Dritten. Der Camembert wurde bekannter und bekannter. Leider hat die Bäuerin nicht daran gedacht, den Namen Camembert sich schützen zu lassen. Lange Rede, kurzer Sinn, der Name Camembert ist leider nicht geschützt und somit frei verwendbar. Du kannst den Camembert auf der ganzen Welt herstellen, auch in Holland. Das hat dann mit französischer Esskultur reichlich wenig zu tun.

Nun gibt es aber auch das Siegel Camembert de Normandie AOC.

Ja, solche Camemberts dürfen sich nur so nennen, wenn sie aus der Region Camembert stammen.

In einem Urlaub in der Normandie haben wir uns mal auf die Reise begeben, und das Örtchen Camembert besucht. Das ist ein klitzekleines Dorf an der C2, in dem keinerlei Käse hergestellt wird!

Der örtliche Camembert wird in den Nachbarorten in verschiedenen Käsereien, größtenteils in Handarbeit, hergestellt. Wer mal einen ganz frischen Camembert probiert hat, der wird ihn nicht vergessen, so cremig und lecker ist er. Toll.

Also, Camembert ist Käse, aber dass er zwingend aus Frankreich kommen muss, das ist auch Käse.